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Feb
28

Heavy Rain

Titel: Heavy Rain
Publisher: Sony Computer Entertainment
Plattform: Playstation 3
Genre: Adventure
Release: 26.02.2010
USK: ab 16 Jahren
Online-Modus: Nein

Das französische Entwicklerstudio „Quantic Dream“ bringt mit „Heavy Rain“ die Weiterentwicklung des 2005 erschienenen „Fahrenheit“ in die Läden und möchte euch mit diesem Spiel bzw. interaktiven Film vor eure Konsole fesseln.

„Heavy Rain“ erscheint exklusiv für die Playstation 3 und wir haben uns schonmal für euch angeschaut, ob der Titel hält, was er verspricht.

Story

Die Story spielt sich in einer fiktiven Stadt an der Ostküste der USA ab und im Zentrum steht, wie auch schon in „Fahrenheit“, die Geschichte und die mitwirkenden Charaktere. In Kapitelform durchläuft ihr die Story und schlüpft hierbei in vier verschiedene Protagonisten, die euch jedesmal das Geschehen anders erleben lassen.

Hier wäre einmal der Hauptcharakter Ethan Mars. Er ist ein junger Architekt, dessen Leben ihr zuerst kennen lernt. Er lebt in einem schönen Haus mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Doch der Schein trügt, denn diese glückliche Zeit ist schon längst vorbei. Schon längst ist er zweimal durch die Hölle gegangen, als er zuerst seinen älteren Sohn bei einem Unfall verloren hat und seine Ehe zerbrochen ist und als dann auch noch das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt und sein Sohn entführt wird, ist er mit seinen Kräften am Ende. Kurz zuvor wird bekannt, dass der Origami-Killer nun schon zum siebten Mal zugeschlagen hat und auf perfide Art und Weise Jungs entführt und umbringt. In allen sieben Fällen war die Todesursache gleich: Ertrinken. Und in allen sieben Fällen lagen am Tatort die gleichen Dinge: Eine Orchidee und ein Origami. Noch dazu hört es einfach nicht mehr auf zu regnen, was die Stimmung noch düsterer Macht und auch viele Spuren verwischen lässt.

Im Laufe der Geschichte trefft ihr noch auf Madison Paige, eine Fotografin, die tiefer in die Angelegenheiten mit reingezogen wird, als ihr eigentlich lieb ist. Auch der FBI-Profiler Norman Jayden ist dem Mörder mit der Polizei auf der Spur und dazu versucht der Privatdetektiv Scott Shelby im Namen der Familien der Opfer dem Täter Handschellen anzulegen.

Die zunächst fremden Charaktere begegnen sich im Laufe des Spiels und das Puzzle beginnt sich langsam zusammenzusetzen.
Es gibt keine vorgegebene Lösung. Jede Entscheidung eurer Figuren beeinflusst den Ausgang der Geschichte, welche in einen packenden Thriller in der Machart eines Film Noir mündet.

Im Vergleich zu „Fahrenheit“ ist bei „Heavy Rain“ die Story realistisch und die rund 2000 Seiten Drehbuch haben sich wirklich gelohnt. In keinem anderen Spiel, wird man so in die Geschichte eingesogen und fühlt mit den Charakteren mit, wie in „Heavy Rain“.

Gameplay

Um überhaupt so mitfühlen zu können, werdet ihr langsam an die Charaktere herangeführt und in, manchmal scheinbar sinnlosen, Quick-Time-Events mit ihnen vertraut gemacht. Diese Quickt-Time-Events dienen am Anfang dazu, dass ihr euch in die Charaktere hineinversetzen könnt und sie einfach kennenlernt. Ihr müsst dann zum Beispiel verschiedene Aktionstasten nacheinander oder gleichzeitig drücken oder aber auch mit dem rechten Analogstick eine Form nachfahren, um Türen zu öffnen oder das Licht anzumachen. Auch die Einbindung des Sixaxis-Controllers bleibt nicht auf der Strecke, wenn ihr ihn beim Abtrocknen oder Werfen hin- und herschütteln müsst.

Im weiteren Verlauf merkt ihr jedoch, dass die ganze leichte Übung am Anfang gar nicht so schlecht war, da ihr so in den Kämpfen und im Alltag die verschiedenen Befehle sicherer ausführen könnt.

Das Laufen ist etwas gewöhnungsbedürftig, da ihr hierzu immer die R2-Taste gedrückt halten müsst und mit L1 den Blickwinkel der Protagonisten festlegt.

Ihr könnt mit Personen interagieren, indem ihr euch per Aktionstaste eine Antwortmöglichkeit aussucht. Ihr solltet euch nicht zu lange Zeit lassen, bis ihr eine Antwort gibt, denn die Auswahlmöglichkeiten schwirren in Echtzeit über eurem Kopf und dauert eure Eingabe zu lange, wird euer Charakter einfach irgendeine Auswahl treffen. Schade ist jedoch, dass die Auswahl an Personen, mit denen ihr sprechen könnt etwas gering gehalten wurde. So könnt ihr z.B. nicht einfach einen Passanten ansprechen und es wird sich auch keiner bei euch beschweren, wenn ihr ihn einfach die ganze Zeit anstarrt. Damit hätte alles noch realistischer gewirkt.

Mit Drücken der L2-Taste lassen sich die Gedanken eurer Figur abrufen und geben euch nicht nur einmal ein paar hilfreiche Tipps, was als nächstes zu tun ist.

Ihr werdet auf ruhige Szenen, wie Verhöre und Tatortuntersuchungen treffen, aber auch Actionszenen, in denen ihr einen bulligen Aufdringling verschlagen könnt, um die Mutter eines Opfers zu beschützen, bleiben nicht aus. Hier muss schnell gehandelt werden, denn ihr bekommt sonst eins übergehauen. In solchen Situationen habt ihr jedoch die Möglichkeit einfach wegzusehen oder direkt einzugreifen. Ihr solltet jedoch wissen, dass jede Entscheidung den Spielverlauf beeinflusst. Auch der Tot eines oder gar aller Protagonisten hat kein Game Over zur Folge. Ganz im Gegenteil: Das Spiel bzw. euer interaktiver Film läuft weiter, nur eben anders. Vielleicht ergeben sich so Gelegenheiten, die sich sonst nicht aufgetan hätten. Diese Eigenschaft ist eine deutliche Verbesserung zu „Fahrenheit“, denn es werden keine Frustmomente geschaffen und der Widerspielwert erhöht sich um einiges. Beträgt doch die Spielzeit gerade einmal 8-10 Stunden, könnt ihr euch mit dem erneuten Durchspielen des ganzen Spiels oder bestimmter Kapitel wochenlang mit „Heavy Rain“ beschäftigen.

Ihr werdet vergeblich ein Inventar, ein Waffenlager oder Munition suchen. Und selbst in den schlimmsten Kämpfen müsst ihr kein sinnloses Tastendrücken auf euch nehmen. Gerade diese Eigenschaften werden vielleicht manche von euch vermissen. Jedoch ist genau dieser nicht zu große spielerische Gehalt, selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsstufen, richtig, um perfekt mit der Story mitfiebern und mit den Charakteren verschmelzen zu können.

Grafik

Auch grafisch bietet „Heavy Rain“ einfach alles was ein Gamerherz höher schlägen lässt und noch ein bisschen mehr. Denn hier sind nicht nur die Charaktermodelle perfekt in Szene gesetzt, nicht nur die Animationen gut dargestellt, sondern die Emotionen werden in einer Art und Weise über die Mimik der Charaktere abgebildet, wie es seit dem Egoshooter „Half-Life 2“, welcher besonders durch die Gesichterdarstellung glänzte, nicht mehr zu sehen war.

Vor jedem Kapitel wird der Charakter, mit dem ihr spielen werdet, in Nahaufnahme dargestellt. Hier lässt sich wirklich jede einzelne Wimper und jedes noch so kleine Fältchen ganz genau erkennen und lässt einen fast vergessen, dass es sich hier nicht um einen echten Menschen handelt.

Auch die Licht- und Schattendarstellungen verblüffen einfach durch ihre Natürlichkeit und vermitteln einem das Gefühl, sich durch eine echte Landschaft zu bewegen.

In manchen Situationen, wie beispielsweise beim Tatort erkunden, hätten wir uns noch ein bisschen mehr Freiheit gewünscht. Dies ist allerdings nur ein kleiner Minuspunkt. Denn direkt nachdem die Eingeschränktheit aufgefallen ist, verblüfft der architektonische Horizont und vermittelt uns einen Weitblick, der einfach faszinierend ist.

Die teils schwammigen Texturen mancher Gegenstände fallen dann bei so einer grandiosen Grafik auch nicht mehr weiter ins Gewicht.

Die Darstellung der Gedanken und der Antwortmöglichkeiten passt sich an die Gefühlslage eurer Figur an und so kann es schonmal vorkommen, dass die Schrift verzerrt ist und wackelt und ihr Probleme bekommt sie zu entziffern. Hier wird die Stresssituation des Protagonisten auf euch übertragen, da ihr wisst, dass ihr euch schnell für eine Antwort entscheiden müsst, ihr aber die Taste zur richtigen Antwort einfach nicht erkennen könnt. Es wird euch daher nicht nur einmal passieren, dass ihr deshalb eine falsche Antwort gibt, aber genau das soll ja bezweckt werden, um euch noch mehr mit eurem Charakter mitfühlen zu lassen und damit ihr euch in die Situation besser reinversetzen könnt.

Durch das Motion Capturing mit 70 Schauspielern an rund 170 Drehtagen sind die Bewegungen der Charaktere so natürlich wie noch nie.

Die Atmosphäre des Spiels wird euch durch die dargestellten Menschenmassen und die alltäglichen Dinge, die sich im Spiel ergeben, perfekt dargestellt und auch die verschiedenen Schauplätze, wie Polizeipräsidium, Wohnung, Fabrikhalle oder Psychopraxis glänzen durch einen Detailreichtum, der einen oft vergessen lässt, dass es sich hier nur um ein Videospiel handelt. Auch der manchmal geteilte Bildschirm à la „24“ treibt die Spannung zu ihrem Höhepunkt.

Die Grafik kommt in 720 p daher und lässt so manche längere Ladezeit vergessen.

Sound

„Heavy Rain“ liefert mit deutscher, englischer, spanischer, holländischer und portugiesischer Sprachausgabe alles, was man braucht. Wenn gewünscht, kann auch der deutsche Untertitel mit eingeblendet werden und so macht es Spaß ab und zu während einer Szene in die englische Sprache zu wechseln. Ethan Mars wurde hier z.B. etwas besser getroffen, wobei die deutschen Synchronsprecher wirklich alles gegeben haben und die Dialoge besser nicht sein könnten. Alle Synchronsprecher, darunter auch die deutsche Stimme von Angelina Jolie, können in „Heavy Rain“ glänzen und geben den Gefühlen wie z.B. Glück, Trauer, Wut und Verzweiflung mit ihrer Stimme noch mehr Nachdruck.

Die alltäglichen Geräusche, wie das nicht aufhörende Regengeplätscher, die Mikrowelle oder die Toilettenspülung geben euch ein realistisches Bild von dem Dargestellten und die traurigen und trostlosen Akkorde untermalen die düstere Stimmung des Spiels. Alles scheint perfekt zusammen zu passen und fesselt einen vor die Konsole.

Features und Besonderheiten

Außer PS3-Trophäen und Bonusmaterial in Form von Konzeptzeichnungen gibt es keine Features in „Heavy Rain“. Bei so einem genialen Spiel bzw. interaktiven Thriller ist dies jedoch auch nicht nötig.

Fazit

„Heavy Rain“ ist ein grandioses Spiel und eigentlich schon ein interaktiver Film in der Machart eines Film Noir. Die wenigen Kritikpunkte, wie zu lange Ladezeiten und zu wenig Freiheit, werden bei der perfekten Grafik, der fesselnden Story und der ausgezeichneten Soundeffekte einfach vergessen.
Mit „Heavy Rain“ hat Quantic Dream das 2005 erschienene „Fahrenheit“ weiter entwickelt und verbessert. Natürlich ist der Spielgehalt relativ gering, aber etwas anderes könnte man sich zu so einem packenden Thriller auch nicht vorstellen.

Alle, die einmal ein etwas anderes Spiel erleben wollen und die Nase voll haben von dem ständigen sinnlosen Tastengedrücke, sollen zugreifen und sich von dem Spiel mitreißen lassen.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!!!

Bewertung

Gameplay: 92%
Grafik: 97%
Sound: 95%
Features und Besonderheiten: 90%

Gesamt 94%

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